Der feine Unterschied zwischen Software-Entwickler und Anwender

Der feine Unterschied zwischen Software-Entwickler und Anwender

Immer wieder lese ich, dass Cobol-Entwickler noch gefragt seien oder Java-JEE-Entwickler gesucht sind. Immer wieder lese ich, dass sich jemand selbst als Angular-Entwickler bezeichnet. Immer wieder stolpere ich über kuriose Stellenausschreibungen wie React-Frontend-Developer. Und immer wieder störe ich mich daran. Schließlich kollidieren diese Bezeichnungen mit meiner Sicht auf das Berufsbild eines Software-Entwicklers.

Frontend- oder Backend-Entwickler, Cloud- oder Fullstack-Entwickler, Web- oder Mobile-Entwickler sind völlig legitime Berufsbezeichnungen für Entwickler. Sie stellen jeweils eine nahezu eindeutige Disziplin respektive Spezialisierung innerhalb des sehr breiten Spektrums der Informatik dar.

Noch spezieller geht es nicht

Spätestens dann, wenn sich die Spezialisierung aber auf eine einzelne Programmiersprache, ein konkretes Werkzeug, ein spezifisches Framework oder eine einfache Interpretation reduziert, wäre es falsch, noch von Entwicklern zu sprechen. Denn dann handelt es sich in aller Regel schlicht um Anwender.

 

Ein Angular-Entwickler ist nur ein Angular-Anwender.

 

Ein Angular-Entwickler ist also ein Angular-Anwender, ein Java-JEE-Entwickler ein Java-JEE-Anwender und ein React-Frontend-Developer ein React-Anwender. Denn sie wenden ausschließlich die ihnen von der Sprache oder dem Framework zur Verfügung gestellten Funktionen an. Denn sie richten sich ausschließlich nach den jeweils vorgegebenen Konzepten. Denn sie unterwerfen sich einem Dogma, das einige wenige Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem bestimmten Wissensstand gelehrt haben.

Die Konsequenz daraus ist, dass sie als Entwickler respektive Anwender unter Umständen nicht mehr marktrelevant sind, wenn die Branche mal wieder auf eine andere Programmiersprache, ein pfiffigeres Werkzeug oder ein revolutionäreres Framework wechselt.

Neutral und kritisch bleiben

Eine deutlich längere Lebensspanne haben hingegen Architekturen, Programmierkonzepte oder Plattformen. Wer sich also selbst als Frontend-Entwickler bezeichnet, bindet sich nicht an ein einzelnes Framework. Frontend-Entwickler verstehen die grundlegenden Konzepte, bauen darauf auf und richten sich je nach Bedarf und Stand der Technik aus. Sie sind lösungsneutral; wählen stets das beste Framework für eine bestimmte Situation aus. Gleiches gilt für Programmiersprachen, Architekturstile oder Plattformen. Das erhöht nicht nur den Marktwert eines Entwicklers. Es motiviert auch dazu, aktuelle Marktentwicklungen, Strömungen und Vorlieben kritisch zu hinterfragen.

Allerdings …

Eine Entwicklergruppe darf sich dann allerdings doch ganz selbstverständlich als Java- oder Angular-Entwickler bezeichnen; nämlich diejenigen, die wortwörtlich die entsprechende Programmiersprache, das Werkzeug oder das Framework entwickeln.

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