„Inspirierende Persönlichkeiten hervorheben“

Dass der Anteil von Frauen in der Softwareentwicklung nicht besonders groß ist, ist ein offenes Geheimnis. Was also tun, damit sich in diese von Männern dominierten Berufe mehr Frauen wagen? Lena Alter hat vor einigen Jahren selbst den Einstieg in die Branche gefunden. dotnetpro hat sie zu ­ihrer Einschätzung befragt und wollte wissen, was die Branche besser machen könnte, um mehr Frauen anzulocken.

Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt, und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Lena Alter: Aktuell bin ich bei der Booster Space Events und Consulting GmbH in Berlin als COO und Projektleiterin tätig. Meine Hauptaufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass jeder weiß, was er wann zu tun hat.
Damit verbunden sind viele Meetings und Calls und die Notwendigkeit, immer ein offenes Ohr zu haben. Daneben kümmere ich mich noch um alle Personalbelange, also Feedbacks und Stimmungsbilder der Mitarbeiter_innen einholen, neue Mitarbeiter_innen suchen und im besten Fall einstellen, Ressourcen- und Urlaubsplanung und so weiter.
Wie hat es dich nach dem Abschluss in Soziologie in die Spiele-Branche verschlagen?
Alter: Sagen wir mal, es war Zufall. Ich habe während meiner Tätigkeit beim Medienboard Berlin-Brandenburg Michael Liebe kennengelernt und dann angefangen, für den Deutschen Computerspielpreis zu arbeiten. Danach führte kein Weg zurück.

Du bist Projektleiterin von Womenize!. Was ist das für ein Projekt? Was bezweckt es? Wie funktioniert es?
Alter: Womenize! [1] ist eine Aktionsplattform für Frauen, Talente und Vielfalt – ein Format, das den Wandel fördert, indem es inspirierende Persönlichkeiten, Vorbilder und nichtmännliche Role Models hervorhebt.
Als Veranstaltungsreihe startete Womenize! während der Gamesweekberlin 2014 und findet seitdem jedes Jahr in Berlin statt. Neben Berlin wurde die Womenize! dieses Jahr das zweite Mal in Köln und das erste Mal in Bogotá, Kolumbien veranstaltet. Neben der eintägigen Konferenz stellt Wome­nize! weibliche Talente in dem Interview-Blog „Womenize Wednesday Weekly“ vor.
Im Endeffekt hat die Womenize! das Ziel, sich selbst abzuschaffen, denn das würde bedeuten, man hätte die Gleichheit zwischen allen Geschlechtern erreicht.

Welche Veranstaltungen sollten Entwicklerinnen – neben Womenize! und der Developer Week [2] – unbedingt im Jahr 2020 besuchen?
Alter: Die Gamesweekberlin 2020 mit der Pro Experience sollte da natürlich auf keinen Fall fehlen. Die Game Developer Conference (16. bis 20. März 2020, San Francisco), die Nordic Game 2020 (27. bis 29. Mai 2020, Malmö) und die Game Industry Conference (noch kein Termin für 2020, Poznan) – das sind alles Formate, die sicherlich einen Besuch wert sind.

Bist du bei „Women Who Code“ engagiert?
Alter: Ich finde die Initiative sehr gut, bin aber persönlich nicht aktiv.

Bei der letzten Developer Week waren unter den Einreichungen beim Call for Papers nur fünf Prozent der Vorschläge von Frauen. Was können wir für die Developer Week 2020 besser machen?
Alter: Da ich euren Call for Papers im letzten Jahr nicht mitbekommen habe, kann ich mich direkt dazu nicht äußern. Auch möchte ich ungern sagen, dieses oder jenes habt ihr falsch gemacht. Ich möchte gemeinsam mit euch schauen, was man anders machen kann, damit sich etwas ändert.

Meinst du, dass die Frauenquote vom Technologiebereich abhängt? Gibt es also beispielsweise mehr JavaScript-Entwicklerinnen als .NET-Entwicklerinnen?

Alter: Ich kenne hier die Zahlen nicht und weiß auch nicht, ob sie bereits erhoben worden sind. Ich glaube aber auch nicht, dass es so kleinteilig geschlechterspezifisch ist. Ich glaube, dass die Herausforderung darin besteht, viel mehr und viel diversere Menschen auf einer viel breiteren Basis für Ausbildungen und Berufe im Technologiebereich abzuholen.

Wie können wir erreichen, dass sich mehr Frauen für Softwareentwicklung interessieren? Jobs gibt es doch genug.
Alter: Jobs gibt es genug, aber fühlen sich alle Geschlechter gleichermaßen von den Stellenausschreibungen angesprochen? Meines Erachtens muss man schon früher ansetzen und Angebote für Kinder schaffen, die unabhängig von Geschlechtern beworben und angenommen werden, damit dort das Interesse gleichermaßen geweckt wird. Auch müssen weibliche Role Models viel sichtbarer gemacht und Arbeitsbedingungen geschaffen werden, in den sich alle Geschlechter gleichermaßen wohl und akzeptiert fühlen. Dabei ist es wichtig, aufzuzeigen, wie Diskriminierung funktioniert und was dagegen getan werden kann. Fehlverhalten muss im Zweifel konsequenter sanktioniert werden.